Wenn Menschlichkeit Hürden überwindet – Kent Haruf “Lied der Weite”

“Lied der Weite” ist ein Buch, dass mich gerade aufgrund seiner ruhigen Art sehr begeistert hat. Kent Haruf versteht es ohne viel Tamtam eine Geschichte zu inszenieren, die einen einfach mitnimmt. Für mich ist sie eine Beschreibung des Lebens mitsamt Hindernissen, die umgangen und beseitigt werden müssen. Und auf dem Weg begleiten einen immer wieder Menschen, die einem helfen und nur das Beste wollen und andere, die alles ins Wanken bringen, obwohl man ihnen vertraut und ihre Unterstützung gebraucht hätte. Es ist eine Geschichte vom Geben und Nehmen. Von flüchtenden Zuständen, dem nie wirklich ankommen und der eigentlichen Herausforderungen – dem Leben, der Liebe und der Menschlichkeit.

 

“Hilf mir, Mama. Ich brach dich, du musst mir helfen.
Zu spät, sagte die Frau. Du hast dir die Suppe eingebrockt, jetzt löffel sie auch aus. Deinem Vater sollte ich auch immer den Kopf halten. JEdes Mal, wenn er morgens heimgekommen ist, sich elend gefühlt und sich selber leidgetan hat. Jetzt werd ich nicht auch noch deinen halten.”

 

In diesem Fall dreht sich vieles um das Mädchen Victoria Roubideaux. Sie ist schwanger, wird daraufhin von ihrer Mutter verstoßen und versucht nun ihr Leben zu meistern. Sie ist erst 17 Jahre alt und geht eigentlich noch zur Schule. Victoria vertraut sich der Lehrerin Maggie an, die versucht ihr zu helfen und ihr eine Unterkunft zu besorgen. Abseits von allem, kommt sie dann in der ruhigen Einöde bei den Brüdern McPheron unter. Gerade für die beiden ist dies eine sehr gewöhnungsbedürftige Situation, denn die Viehzüchter haben ihr ganzes Leben noch nie wiklich mit einer Frau zutun gehabt, geschweige denn mit einem Kind. Sich versuchen sich anzunähern und Victoria während der Schwangerschaft zu unterstützen. Doch eines Tages führt sie der Vater des Kindes, kurz vor der Geburt, erneut auf Abwege.

 

“Maggie Jones nahm das Mädchen in die Arme. Ach, Schätzchen, sagte sie. Du tust mir so leid. Du hast eine so schwere zeit vor dir. Du weißt es nur noch nicht.”

 

Auch wenn es jetzt nicht das handlungsstärkste Buch ist, finde ich es beinahe großartig und nahezu für jeden passend – Das mag mitunter auch Kent Harufs Stärke sein. Man liest ihn/es gern und hat eigentlich kaum bis keine Kritikpunkte zu äußern. Es ist ein Blick in die Weite, in die Zukunft. Ein Blick aufs Land. Ein Blick zum Leben selbst. Für mich ist es auch noch nachhallend ein sehr eindrucksvoller Roman. Der einzige Nachteil: man kein einfach gar nicht so viel zu diesem Buch sagen. Es ist wie es ist, ruhig und toll.

 

Kent Haruf – Lied der Weite
Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein
Diogenes.
384 Seiten. 24 Euro. Hardover Leinen.

15. Dezember 2018

2 Comments

  • Reply Weihnachten naht – Buchempfehlungen kurz gefasst | booksandnotes 16. Dezember 2018 at 10:45

    […] Wenn man nun gar keine Ahnung hat, was der andere mag oder nicht mag… “Lied der Weite” von Kent Haruf wäre da meine Wahl. Es ist auch kein Buch voller Action und es geht auch hier eher um die Zwischenmenschlichkeit und das Leben als solches. Dennoch trägt die Geschichte einen förmlich durch die Seiten, ohne dass es mehr nötig hätte. Ich hab es ja gerade erst vor ein paar Tagen vorgestellt, daher will ich hier jetzt auch gar nicht mehr groß was sagen, außer: Schaut doch kurz rüber >> […]

  • Reply sommerlese 16. Januar 2019 at 16:19

    Dieses Buch hat mich auch ganz tief berührt. Es ist so schön zu sehen, wie Victoria aufgenommen wird. Fast wie selbstverständlich und doch nicht ohne Probleme.
    Durch die Geschichte gleitet man so wunderbar ruhig dahin, trotz der Schwierigkeiten.
    Ich freue mich schon auf das nächste Buch des Autors “Abendrot”.
    Es wird bald bei mir einziehen.
    lg Barbara

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