Zeig dich! Vom Verstehen, Reden, Haltung zeigen!

Noch nie war es so wichtig wie heute, eine eindeutige Position und seine eigene Meinung zu zeigen. Normalerweise sind wir es ja gewohnt, solange wir nicht selbst betroffen sind, alles als “Ach, ist ja nicht so schlimm” abzutun und eigentlich wissen wir, dass auch kleine Ungerechtigkeiten eher bescheiden sind man auch hier genauso seine Stimme erheben sollte, wie bei großen odr uns selbst betreffenden Vergehen. In Zeiten von AFD, Rassismus, Faschismus, Diskriminierung, Mobbing, Klimagegnern, eine Politik, die scheinbar mehr für die Wirtschaft regiert als alles andere [die Liste könnte nun beliebig fortgeführt oder mit klaren Beispielen versehen werden] wird es Zeit, dass selbst die Hinterherläufer und Ja-Sager mal Haltung zeigen. Haltung zeigen, für ihre eigenen Interessen, ihre Meinungen und ihre Stimme um vermeintlich Schwächeren zu helfen.

 

“Gut, vielleicht sieht das nicht so attraktiv aus, ist dafür aber herrlich bequem. Sich nicht hervortun zu müssen, in der Masse verschwinden zu können. Wer sich nicht bewegt, macht auch nichts falsch. Wer nicht hinausschaut, wird auch nicht auffällig.”

 

Das ist zwar wahr, bringt uns am Ende nur leider gar nichts, außer erschreckende Aussichten vielleicht. Ich habe gerade erst Samstag eine Dokumentation/Film mit Interviews über meine Heimatstadt gesehen. Es ging um die Trauermärsche des rechten Flügels, am 8.Mai. Ein Tag, der immer zum Ausnahmezustand einer Kleinstadt führt und das nur, weil die Rechten das damalige Massensterben der Menschen (Tausende haben sich damals innerhalb weniger Tage erhängt und ertränkt) für sich instrumentalisieren. Ich kann es bis heute nicht verstehen, wie eine Stadt solchen ‘Demonstrationen’ Raum geben kann, aber und das ist eigentlich auch was tolles, in Deutschland hat man Recht dazu. Jedenfalls gab es dabei Menschen, die meinten, es wäre vollkommen okay, aber man sollte das ‘linke Pack’ blockieren und einschränken. Andere unterstützen dies sogar, allerdings würden sie selbst nie mitlaufen, da sie als Geschäftsinhaber ja als ‘neutral’ rüberkommen wollen und sie wären ja auch neutral. Und gerade diese Aussagen lassen mich dann wieder denken: “Ach, wie hohl Menschen doch sind.” Dennoch ist es ihre Überzeugung, auch wenn fraglich bzw. für mich einfach unverständlich. Auch der Fakt, dass jemand mit etwas sympathisiert und es dennoch nicht offen zeigt, weil er eigentlich weiß, dass es dumm ist und ihm negative Folgen beschert. Einige von euch könnten jetzt womöglich sagen: “Das ist doch klug mitgedacht.” Aber ist es das wirklich?

 

“Ich habe das große Glück, in ein Land geboren worden zu sein, in dem Rechtsstaat und Demokratie herrschen, das Wohlstand bietet und Sicherheit. […] Ein starkes Land, ein soziales Land. Und ein Land, in dem man frei seine Meinung äußern darf […] Wertvolle Errungenschaften, die einige leider nicht mehr zu schätzen wissen, weil sie Kritik mit Zensur verwechseln und Gegenmeinungen als Lüge abtun.”

 

Wenn ich heute immer schon höre: “Die Ausländer nehmen uns alles weg!”, “Diese ganzen Flüchtlinge bekommen alles in den Arsch gesteckt!” oder “Die kommen hier her und machen doch nichts. Die wollen doch nicht nicht mal arbeiten.” dann könnte ich mich immer wahnsinnig aufregen. Ich frage mich immer, wo man dann mehr bekommen würde, wenn ein anderer nicht da wäre. Im Supermarkt? Da, wo man ja eh alles selbst bezahlen muss? Im Arbeitsmarkt? Da, wo es eh tausende freie Ausbildungsplätze gibt und diese nicht besetzt werden können? Und was bekommen sie denn? Sie haben ihre Heimat und Wurzeln großteils verloren! Wieso kann man ihnen nicht einfach helfen ein neues Leben zu finden?
Und wieso müssen sich dann meistens auch noch die Menschen, die für gute Sachen, Toleranz und Gemeinschaft oder gar politisch aktiv sind, vor anderen rechtfertigen und sich massiv Kritiken, Anfeindungen, gar Morddrohungen aussetzen, während andere die genau das Gegenteil befürworten unter dem Deckmantel der Neutralität verschwinden? Denn die, mit den eben genannten Aussagen, würden großteils nie von sich behaupten rechts zu sein. Oft sind sie oft nur mit sich selbst und ihrer Situation unzufrieden, aber reicht das schon um solche Aussagen zu machen?
Und was ist schon neutral? Ist die Politik noch neutral? Der Journalismus und die Medien als solches? Sind wir es? Wirklich?
Neutralität würde bedeuten, wir würden einen Sachverhalt von allen Seiten beleuchten und uns auch persönlich keiner Seite hingezogen fühlen. Und gerade in dem Punkt, sei es durch Sympathie, eigene Vorteile, Einfachheit oder oder, beziehen wir eine Position. Oftmals sind wir nur zu feige unsere Haltung zu zeigen oder erwarten Neutralität bei anderen und scheitern doch eigentlich regelrecht selbst daran. Und gerade jetzt wäre es wichtig aufzustehen und auch zu zeigen, was uns im Leben wichtig ist. Dass es nicht immer nur um wirtschaftliche Vorzüge geht. Andere Menschen mit anderen Glauben nicht schlimm und erst recht nicht schädlich sind. Dass wir alle daran arbeiten müssen, eine gute Welt zu erschaffen, denn am Ende zählt immer nur eins: Jeder sollte wissen, was er vom anderen erwarten kann. Jeder sollte bereit sein, seine Meinungen auch zu vertreten, dafür gerade stehen und sich auch mit anderen darüber austauschen und über die Sinnhaftigkeit dessen nachzudenken, denn nur so können wir den anderen verstehen und gemeinsam Lösungen statt Probleme schaffen. Und jeder sollte daran denken, was er eigentlich selbst will und auch allen die Chance einräumen, genau diese das gleiche Ziel verfolgen können. Jeder hat eine andere Geschichte, andere Ursprünge und Vorlieben um so zu denken, wie er denkt. Wir wollen alle recht viel, doch am Ende kann es stets nur ein Kompromiss werden. Ein Kompromiss, der im Grunde nicht nur für uns selbst gutes bedeutet.

 

“Alle Menschen sind gleich. Was nicht heißt: Alle Menschen sind gut. Aber alle Menschen haben das gleiche Recht, als Mensch behandelt zu werden. Das gleiche Recht auf Würde.”

 

Das Fernsehen oder auch die Nachrichten oder Zeitungen lasse ich persönlich häufig links liegen. Nicht weil mich das Aktuelle als solches nicht interessiert. Sondern einfach weil sie stets dem Motto “only bad news are good news” folgen und diese doch mehr und mehr inszenieren und dadurch teilweise auf einem mir unverständlichen Grund, die Menschen mehr von einander trennen und vieles unnötig aufpushen um mehr Reichweite zu erlangen. Ganz weit vorn die beliebte Bild-Zeitung. Natürlich ist ein Tötungsdelikt ein Mord, dennoch war es ein Mensch, der die Tat vollbracht hat. Die Ausgangspunkte und Gründe für eine solche Tat werden häufig unter den Tisch gekehrt. Es zählt einzig die Herkunft. Generell wird vieles einfach so aus dem Kontext gerissen, das ist vor allem auch in Zeiten von Socialmedia enorm geworden. Wer prüft schon noch eine Quelle eines Videos oder guckt sich eben die 30 Minuten des Beitrags an, wenn gerade dieser 30 Sekundenausschnitt so vielsagend ist? Richtig niemand. Das macht die Tat als solches, zwar generell nicht besser, dennoch lassen wir uns lenken und verleiten Meinungen oftmals einfach übernehmen, ohne uns selbst zu informieren. Uns Aufregen, weil wir den Zusammenhang oftmals gar nicht erst verstehen wollen oder nur uns selbst wahrnehmen. Dazu hätte ich gerade wieder zahlreiche Beispiele einzelner Instagram-Posts, positive wie schlechte. Gerade eben habe ich z.B. eine Story über Rassismus gesehen bzw. eine Filmsequenz über den Verweis eines Dunkelhäutigen aus einem Park. Wer kennt den Grund, wenn man eine reine Handlungsszene der Polizei sieht? Wer weiß, bei Ausschreitungen, was sich vorher abgespielt hat? Richtig, mal wieder niemand, außer die Beteiligten selbst. Und wer dann noch in seiner eigenen Formulierung auf einen Unterschied zwischen weiß und schwarz legt… nun ja, ganz so richtig wäre das in dem Sinne dann ja nun auch wieder nicht.

 

In diesem Hinblick möchte ich euch auch dann (wie sollte es auch anders sein) ein Buch ans Herz legen. Ein Buch, dass mich in diesem Punkt, sehr begeistert hat. Und zwar ist es “Haltung Zeigen!” von Anja Reschke. Der Frau, die hauptsächlich während der Flüchtlingskrise in aller Munde war und mit ihrem Kommentar gegen Fremdenfeindlichkeit, viele gegen sich aufgehetzt hat, obwohl sie eigentlich nur Recht hat.
Es hat gerade einmal 94 Seiten, erschien bei Rowohlt und kostet 5 Euro. Ein kleines Hardcover-Buch mit vielen Gedanken und wie ich finde, sehr schlauem Input.

 

 

“Es kommt nicht auf die an, die laut schreien, die pöbeln und hetzen. Es kommt auf die anderen an, die Gesellschaft, die Mehrheit. Die, die Haltung zeigen muss. DIE Gesellschaft, das sind wir. Jeder Einzelne von uns.”

 

Was wäre dies jetzt ein Beitrag übers Haltung zeigen, wenn ich mich dabei außen vor lasse? Auch wenn ich gerne nur hin und wieder proaktiv meine Meinung offen niederschreibe, möchte ich euch nun einen Eindruck von mir geben. Sicherlich fehlt da noch eine Menge, aber falls Redebedarf besteht, ich bin für alles offen und werde sicherlich nun auch häufiger meinen Standpunkt auf diesen Seiten vertreten oder mitteilen.

Also ich bin für recht viel und doch recht wenig. Ich finde Politik total toll und würde mich auch gerne politisch einbringen, finde mich allerdings in keiner einzigen Partei wieder. Ich bin mal mehr links, mal konservativ, mal eher sozial. Ich hinterfrage vieles und finde gerade den langfristigen Sinn entscheidend. Dass z.B. so ein Terz um das Schulsystem gemacht wird, die Digitalisierung als Lösung für alles in den Himmel gehoben wird und der Lehrermangel echt fatal ist und und und… da frage ich mich dann, wie ich es geschafft habe in einer noch größeren Klasse mit noch weniger Digitalkram was gelernt zu haben und wie ich finde, dabei auch noch recht gut geraten bin! Ich finde, auch dass weniger mehr ist, vor allem im Technologiebreich – Für weniger Schnelllebigkeit, mehr Wertschätzung und einen bewussteren Umgang mit Technik und anderen Hilfsmitteln.
Ich bin für ein Miteinander, auch wenn es mich ab und zu aufregt, wenn Menschen um mich rum lautstark in anderen Sprachen faseln. Ich mag die deutsche Sprache und gerade die Sprache hat was mit Offenheit zu tun. Dennoch sollten wir auch unsere eigenen kulturellen Schätze etwas mehr fördern und dazu gehört auch die Sprache, dafür schätze ich z.B. Frankreich sehr. Auch die Geschichte und was wir daraus lernen können, kommt oftmals zu kurz.

Ich finde Prolls und Bonzen ganz schlimm und habe auch für viele überhebliche Youtuber kein Verständnis, noch Interesse. Ich denke viel und häufig ans Klima, versuche auch beim Einkauf bewusst zu denken. Das heißt nicht dass ich Plastik vermeide oder darauf achte, dass kein Palmöl enthalten ist. Das heißt, dass ich darauf achte eher regional einzukaufen, und weniger Sachen aus Honolulu. Ich gehöre der weniger-Zucker-Fraktion an, interessiere mich mehr und mehr für Dinge, die man selbst machen kann. Hätte auch gerne einen Nutzgarten. Ich fahre bzw. war bisher nur selten im Urlaub, die letzten 10-15 Jahre war dies auch einfach zeitlich, noch finanziell nicht drin, auch wenn ich gerne mehr sehen und die Welt erkunden wollen würde. Ich finde es allerdings auch furchtbar, wenn Menschen ständig in den Urlaub fliegen, weil Umwelt und Klima und so.
Seit meiner Erkrankung hat sich bei mir im Leben viel getan. Ich habe meine Ansprüche heruntergeschraubt, den Fokus neu gelegt. Ich besitze ein Auto, fahre allerdings sehr selten damit. Mich gibt’s eher in ruhig statt laut, dafür kann man mit mir sehr ausgiebig über verschiedenste Themen diskutieren. Feminismus ist für mich kein Fremdwort, dennoch finde ich, dass es oftmals ein reiner ‘Verkaufsförderer’ und ‘Klingt-Gut-Ausdruck’ ist und steht recht häufig nicht für Gleichberechtigung, eher für Abgrenzung, auch wenn dies nicht das eigentliche Ziel ist. Ich bin im Grunde für weniger Regeln und Gesetze. Einfach weil es uns im Handeln und Umgang miteinander auf verschiedenste Art und Weise mehr und mehr einschränkt und immer verwirrender wird. Ich mag Tiere, esse dennoch hin und wieder Fleisch und finde auch das tragen von Pelz, sofern es ein Abfallprodukt wäre, okay. Auch wenn ich Peta sehr schätze und wichtig finde, habe ich da oftmals eine doch etwas andere Ansicht. Ich finde Greenpeace, den WWF oder ZGAP sind großartige Initiativen, die mehr gefördert werden sollten. Globalisierung ist etwas tolles, hat aber generell auch viele Nachteile und erzeugt Abhängigkeiten, die ich nicht befürworte. Ich mag Bücher, lieber gedruckt als in digital; kostet weniger Strom und kann mehrfach gelesen werden, auch wenn die Produktion als solches nicht ganz so umweltfreundlich ist. Ich mag Menschen und finde einige sehr schnell sympathisch und faszinierend, dennoch nerven mich gerade jene, die keine Ahnung haben und viel labern müssen oder ständig auf verschiedene Züge aufspringen.

Den Boom der Psychologen und Psychotherapien sehe ich als Zeichen des fortschreitenden Perfektionismuswahns. Die Menschen reden zu wenig miteinander über ernstere Themen. Ein Großteil (und damit sage ich bewusst nicht alle, weil es gibt auch Traumata und Co) aller psychischen Erkrankungen, sind falsch diagnostiziert und es fehlt generell eine Sensibilisierung der Menschen im Umfeld der Betroffenen. Vieles kommt nach wie vor von falscher Ernährung oder geringster Hormonausschüttungen und Stoffe im Körper, die häufig auch von der Darmflora aufgrund eines falschen Verhältnisses produziert werden. Auch Depressionen können oftmals angefuttert werden. Ich bin auch davon überzeugt, dass der Mensch sich selbst tötet. Wenn nicht über seine Ernährung bzw. Gesundheit, dann durch das Miteinander. Wir brauchen grundlegend mehr Akzeptanz, auch für behinderte und ältere Menschen… ach, es gibt einfach so viel.

Und umso länger ich darüber nachdenke, umso mehr könnte ich hierzu auch wiederum sagen. Und ja, vielleicht mach ich das sogar! Ich werde jedenfalls versuchen, meine Meinung stets zu vertreten und seltener die Augen zu schließen, auch wenn vieles bereits festgefahren oder schwierig ist zu bewegen oder ich damit anecke. Wenn jeder allerdings sich selbst bewusst ist und für das eintritt, was er denkt, sollte doch am Ende trotzdem etwas gutes entstehen oder?
Also wofür stehst du? 

 

//Beitragsbild by Victoria Kure-Wu 

15. Oktober 2018

2 Comments

  • Reply Sarah Weber 15. Oktober 2018 at 20:13

    Ok, hier muss ich dann doch endlich mal meinen ersten Kommentar los werden! Ein großartiger Beitrag! Tolles Buch, aber vor allem schön deine Eindrücke zu lesen. Bei vielen gebe ich dir sogar Recht, weil ich es ähnlich sehe. Bitte mehr von solchen Beiträgen – von dir und von allen anderen Menschen. Sehr gut. 😊

    • Reply herrfabel 15. Oktober 2018 at 20:22

      Hej. Ach, Dankeschön!
      Ich habe mir vorgenommen nun häufiger dieses Format für meine Meinungen zu nutzen. Teilweise mit Buch, manchmal mit Tipps oder anderen Hinweisen. Jedenfalls ist mir dank diesem Buch mal wieder klarer geworden, dass man einfach viel, viel offener mit seinen eigenen Standpunkten umgehen sollte.

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